Donnerstag, 06 November 2014 12:25

Tagebuch 200.Eintrag

 

 

Dienstag, 04 November 2014 08:45

Tagebuch 198.Eintrag

 

 

Mittwoch, 05 November 2014 08:35

Brief von Alexander Spritzendorfer 199.Eintrag

 

 

 

 

Was ich von der Politik erwarte.

 

 

 

Ich erwarte von der Politik, dass sie Chancengleichheit herstellt.

 

 

 

Für jene, die schon heute alle Chancen haben, mag das nicht wichtig - nein geradezu bedrohlich sein. Warum sollten die Mächtigen der Welt Chancengleichheit wollen? In einer gleichen Gesellschaft brauchen die Talentierten keine Privilegien um erfolgreich sein zu können. Und nur in einer ungleichen Gesellschaft brauchen die Untalentierten keine Konkurrenz zu fürchten. Die Untalentierten bleiben unter sich und umso untalentierter ihre Kinder, umso ungleicher muss die Gesellschaft werden, um den Talentierten alle Chancen zu nehmen. Der Treibstoff des Kapitalismus ist die Ungleichheit. Also wäre es die ureigenste Aufgabe der Politik den Kapitalismus zu bekämpfen, dem sie aber zunehmend selbst erlegen und ausgeliefert ist. Der Kapitalismus hat die Politik mittlerweile enteignet . „Mehr Privat, weniger Staat“ - dem dümmsten aller Sprüche hat unsere Gesellschaft aus der Hand gefressen und sich wie ein Opferlamm selbst zum Schafott geführt. Jetzt wo viele Staaten schwach und wenige Private stark werden, greifen sie nach unserer Infrastruktur, unserem Wasser, unserer Gesundheitsversorgung und unserer Pensionsvorsorge. Und das gefährlichste ist, dass die Politik zulässt, dass uns die Kapitalisten besser kennen als wir selbst. Jeder Schritt, jede Aktion, jede Äußerung wird überwacht, archiviert und aufgetürmt auf Big Data. Die Politik schaut verschämt weg und duldet diesen Überwachungsstaat der Kapitalisten, die zunehmend alles über uns wissen. Alles über jede Einzelne von uns, die wir uns - in bester demokratischer Tradition – politisch organisieren und selbst verwalten sollen. Und wenn die Kapitalisten wollen, dass wir sie gut finden, beginnen sie damit, uns die Politik schlecht finden zu lassen. Wir werden ihrer verdrossen, schimpfen über sie, verweigern unsere Stimme. Und während wir uns zwischen den TV-Werbeblöcken über Mariahilferstraßen ereifern, berauben sie die Gemeinschaft, indem sie ihre von Kapitalisten geführten Banken „retten“. Die Kapitalisten enteignen den Staat und bieten sich gleich selbst als Nachlassverwalter an.

 

 

 

Interessanteste Biographien sind Lebensgeschichten, die vom Aufstieg handeln. Vom finanziellen Aufstieg, den wir mit sozialem Aufstieg gleichsetzen. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Und gerade weil diese Aussicht eine solche Faszination auf uns ausübt, nährt der Kapitalismus die Illusion, dass ein Aufstieg immer noch möglich sei. Man muss nur hart genug arbeiten. Wie die Karotte vor unserer Nase, die wir nie erreichen, egal wie schnell wir uns im Laufrad auch bewegen. Nicht wir profitieren vom schnelleren Laufrad, nur jene, welche die erzeugte Energie für sich zu nutzen wissen.

 

 

 

Politik funktioniert zunehmend nach kapitalistischen Grundregeln: Klubs werden gekauft, für Mandate Höchstbeträge bezahlt und Kampagnen in Millionenhöhe geführt. Das Geld dafür stammt aus der Wirtschaft. Die Protagonisten folgen dem Geld. Somit kommen zunehmend Kapitalisten in politische Funktionen, was wiederum die Politikverdrossenheit fördern muss. Es muss das Volk verdrießen, wenn es von Kapitalvertretern vertreten wird. Geräuschlos und von innen können sie ihr „mehr Privat weniger Staat“ Credo demokratisch legitimiert in die Tat umsetzen. Die Kapitalisten in der Politik privatisieren den öffentlich rechtlichen Rundfunk oder schaffen ihn gleich ab. Das Volk sitzt vor dem Dschungelcamp, Austria´s next Topmodell oder vor einer der amerikanischen Serien, in der Staatsangestellte wie armselige, korrupte Idioten darstellt werden. „Je mehr Ablenkung von der Wirklichkeit, umso mehr wird sie von jenen bestimmt, die uns ablenken.“ (Helmut Seethaler, Wiener Zetteldichter)

 

 

 

Ich erwarte von der Politik, dass sie dagegen antritt. Dass sie jene Aufgaben übernimmt, die gemeinschaftlich besser zu erledigen sind als Einzeln (Infrastruktur, Gesundheit, Pension, Bildung). Dass sie allen Bestrebungen der Entsolidarisierung entgegenwirkt. Dass sie weiblicher wird.

 

 

 

Ich erwarte von unserer Gesellschaft, dass sie politischer wird. Ich erwarte mir, dass sich mehr Menschen einmischen. Demokratie ist kein Lehnstuhl. Demokratie erfordert unser politisches Engagement.

 

 

 

Was immer wir von „der Politik“ erwarten, die Forderung richtet sich an uns selbst. Denn wir sind Politik. Das ist die Grundlage unserer Demokratie, unserer „Herrschaft des Volkes“. Wir sind das Volk!

 

 

 

Alexander Spritzendorfer

 

Kulturmanager, Stv. Bezirksvorsteher Josefstadt

 

 



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